Opulente Orgelklänge in Frankena's Feldsteinkirche - Lausitzer Rundschau vom 30. Juli 2009

Orgelkonzert der Extraklasse - Lausitzer Rundschau vom 24. April 2008

Die Schönste von Frankena - Lausitzer Rundschau vom 09. August 2007

Geheimnisse des Raumklangs - Lausitzer Rundschau vom 09. August 2007

 

 

 

- Lausitzer Rundschau vom 30. Juli 2009, geschrieben von Margarete Bönisch / red -

 

Opulente Orgelklänge in Frankena's Feldsteinkirche

 

FRANKENA. Bereits eine Stunde vor dem Orgelkonzert am Sonntag kamen über 30 Personen zur im Programm angekündigten Kirchen- und Orgelführung nach Frankena. Diese beschäftigte sich mit der Baugeschichte des imposanten Feldsteinbaus aus dem Mittelalter und natürlich dem wunderbaren Klang der Orgel.

 

Das Instrument wurde von Johann Christoph Schröther dem Älteren 1812 erbaut und ist nach den Worten von Albrecht Bönisch, Orgelsachverständiger für die Niederlausitz, das einzige spielbare Instrument dieses Meisters. Die Frankenaer Orgel ist wohl auch wegen ihrer Einmaligkeit nicht mehr aus der Konzertreihe „Mixtur im Bass“ wegzudenken. Sie hat übrigens die äußerst seltene Manualteilung in eine Mixtur im Bass und ein Cornett im Diskant. Daher wurde der Name für das nun bereits im sechsten Jahr stattfindende Orgelfestival abgeleitet und wegen dieser Teilung, womit auf einer Klaviatur zwei verschiedene Stimmen gleichzeitig erklingen können, hatte der eingeladene Gastorganist Prof. Jaroslav Tuma aus Prag ein Programm mit spanischer Orgelmusik ausgewählt.

 

„Unter den Pyrenäen“ lautete der Titel des mehr als einstündigen Musikabends mit den herrlichsten Klängen alter Meister. Der Balg wurde im gesamten Konzert per Fuß getreten, um dem Originalklang des 18.  Jahrhunderts möglichst nahe zu kommen. Es waren Stücke zu hören, deren Komponistennamen völlig unbekannt sind. So spielte Tuma unter vielem anderen ein Tiento von Francisco Correra de Arauxo aus dem 17. Jahrhundert, eine Orgelsonate von Pater Jose de Larranaga aus dem 18. Jahrhundert und die Katzenfuge g-Moll von Domenico Scarlatti.

Die dabei entstandene Musik ergänzte Jaroslav Tuma mit einer ersten Zugabe, noch bevor das Programm zu Ende war. Nach stehenden Ovationen der vielen auch von weither angereisten Orgelmusikfreunde war dann noch ein Tiento von Juan Bautista Jose Cabanilles zu hören, ein temporeiches begeisterndes Stück. Gottfried Alpermann, Pfarrer im Ruhestand, bedankte sich beim Künstler und beim Publikum mit den Worten: „Ein derartiges virtuoses Konzert hat diese Orgel wohl in ihrem fast 200-jährigen Leben noch nicht erlebt.“

 

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- Lausitzer Rundschau vom 24. April 2008, geschrieben von Mario Sanders -

 

Orgelkonzert der Extraklasse

 

Belgischer Künstler erklärt Frankena zu seinem deutschen Lieblingsdorf

 


FRANKENA. Ein Orgelkonzert der Sonderklasse erlebten die mehr als 60 Zuhörer in der Dorfkirche St. Pantaleon in Frankena. Organisator Rudolf Bönisch schwärmte bereits während seiner Begrüßung von der wunderschön restaurierten Kirche und dem einzig erhalten gebliebenen Instrument des Sonnewalder Orgelbauers Johann Christoph Schröther, das dieser im Jahr 1812 geschaffen hatte. Der belgische Organist Serge Schoonbroodt griff an seinem Geburtstag zum dritten Mal in Frankena in die Tasten.

Dieser Meister der «Alten Musik» , der weltweit bei großen Festivals auftritt und 2006 in Peru das «Festival International de Musica de Arequipa» gründete, bereitete sich und den Zuhörern ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk.

Dieser «am schönsten klingenden barocken Orgel der ganzen Niederlausitz» (Bönisch), die durch Orgelbauer Markus Roth aus Guhlen mit höchster Handwerkskunst restauriert wurde, entlockte Serge beim «Echostück über eine Wandlung» hüpfende, tirilierende Töne, die abrupt vom Gesang des Organisten unterbrochen wurden. «In Frankena, da bin ich gern» erscholl es von der Empore, um witzig, frech, frisch und verspielt romantische Orgeltöne folgen zu lassen, die durch zwitscherndes Pfeifen des Künstlers ergänzt wurden. Hiernach konnten die Anwesenden ihren großen spontanen Beifall einfach nicht zurückhalten.
Mit dem absolut selten gespielten Stück «Flos Vernalis» eines anonymen Komponisten von 1320 wurden die Zuhörer in die Zeit der fränkischen Besiedlung und des Baus der Kirche zurückversetzt. «Diese Komposition wurden für einen Typ Orgel geschrieben, den es heute nirgendwo mehr gibt» , erklärte Orgelsachverständiger Albrecht Bönisch (26).
Da die Orgel in ihrer Ursprünglichkeit zu hören sein sollte, wurde sie ohne Motor, nur durch zwei junge Balgtreter (Kalkanten) mit Luft versorgt. Als nun die großen Pfeifen für die tiefen Töne viel Wind verbrauchten, war plötzlich die Luft alle, was Karl Trepsdorf zur Belustigung der Umsitzenden zur Äußerung veranlasste: «Früher hatte der Kantor für solche Fälle für den Kalkanten einen Rohrstock zur Hand» .

Mit dem Werk «My lady careys dompe» aus dem 16. Jahrhundert wurde die ehrwürdige Kirche in einen famosen beschwingten jazzigen Tonreichtum gehüllt, der von einer barocken deutschen Orgel niemals zu erwarten gewesen wäre.
Serge Schoonbroodt pries die Arbeit des Orgelsachverständigen Bönisch, des Orgelbauers Schröther sowie des Restaurators Roth. «Hier wurde auf so hohem handwerklichen Niveau gearbeitet, dass es eine Freude ist, der Königin der Instrumente Töne zu entlocken» , ehrte er. Für die Flaute traverse, ein Register, welches Querflötenstimmen imitiert, habe Markus Roth den Holzwurm aus den Pfeifen vertrieben und die gewünschten Töne zurückgebracht. «Ich liebe diese Orgel, und auch die Menschen in Frankena, die sehr gastfreundlich sind. Wenn ich wieder nach Europa komme, wird auch ein Besuch in Frankena, meinem Lieblingsdorf in Deutschland, auf der Agenda stehen» , versprach Serge Schoonbroodt

 

(Wer gern mehr über Serge Schoonbroodt erfahren möchte, kann sich auf seiner Homepage www.sergeschoonbroodt.be informieren.)

 

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- Lausitzer Rundschau vom 09. August 2007, geschrieben von Rudolf Bönisch -

 

Die Schönste von Frankena

 

Serge Schoonbroodt konzertierte auf der Schröther-Orgel

 

 

"Wünschen Sie ein Programmblatt?" Diese Frage wurde zigfach am Sonntag beim Eintreffen der Konzertbesucher vor der Kirche in Frankena gestellt. Und es wurde gewünscht, denn der belgische Künstler Serge Schoonbroodt hatte speziell für diesen Abend ein buntes Repertoire von Stücken unbekannter Meister wie Paul Siefert, Istfried Kayser, Joseph Lederer oder Johann Baptist Peyer vorbereitet. Nicht wenige Besucher waren angereist, um dieses "andere" Klangprogramm mit zu erleben.

 

Einige Besucher kamen aus Lübbenau und Dahme, andere wiederum waren Berliner oder Chemnitzer. Neben den Frankenaern selbst, die wieder einmal ihre Orgel von professionellen Händen und Füßen gehört spielen wollten, füllten auch Finsterwalder, Doberlug-Kirchhainer und Luckauer die Bänke im Kirchenschiff und auf der Empore. Die Einladung zu "Mixtur im Bass - Konzerte an historischen Orgeln der Niederlausitz" fand vollen Zuspruch.

Eine Stunde vor dem Konzert begann die geplante Kirchenführung. Die Mitte des 13. Jahrhunderts aus regelmäßig behauenen Feldsteinen erbaute Kirche habe eine markante Dreiteilung in Turm, Saal und Chorraum. Die heutigen Tür- und Fensteröffnungen stammten erst vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Turm aus Backstein hingegen sei schon 1488 aufgesetzt worden, erfuhren die Besucher aus der Führung im und rund um das Gebäude. Besonderes Interesse fand auch der "Schachbrettstein" an der südwestlichen Turmecke.

Im Inneren lud Pfarrer Gottfried Alpermann zu einer Besichtigung der tonnengewölbten Sakristei, einem mittelalterlichen Kirchenanbau ein. Viele, die durch die enge Pforte den Raum betraten, zeigten sich von der dort herrschenden Stille berührt.

Serge Schoonbroodt

 

Das bedeutendste Ausstattungsstück der Frankenaer Kirche ‑ die historische Orgel ‑ sei das einzige erhaltene Instrument des einst in Sonnewalde tätigen Orgelbauers Johann Christoph Schröther d. Ä., erläuterte Albrecht Bönisch aus Leipzig, Sachverständiger der Landeskirche für die Niederlausitzer Orgeln. "Das besondere ist die Manualteilung in Mixtur im Bass zweifach und Cornet im Discant dreifach", erklärte Bönisch den vielen mit auf die Orgelempore gestiegenen Besuchern. "Diese Register gibt es so nur im Niederlausitzer Orgelbau und daher wurde der Name der gesamten Konzertreihe Mixtur im Bass ‑ Konzerte auf historischen Orgeln der Niederlausitz entlehnt."

Nach der Führung nahm Serge Schoonbroodt die Bank der 2006 von Orgelbaumeister Markus Roth restaurierten Orgel für sich ein und begann das Konzert mit dem Werk: My lady careys dompe. Bereits zum zweiten Mal in Finsterwalde spielte sich der belgische Künstler an der "Königin der Instrumente" schnell in die Herzen der Besucher.

Darauf folgte eine wohlklingende Praeambel samt vier Fugen von Murschhauser, der Ende des 17. Jahrhunderts in München komponierte. Besonders beeindruckend war die "Toccata Prima" von Johannes Späth und auch die "Ciacona" von dem vor 300 Jahren verstorbenen norddeutschen Meister Dietrich Buxtehude.

Mitten im Konzert erhob sich der Zwei‑Meter‑Mann Schoonbroodt von der niedrigen Orgelbank und trug ein eigens verfasstes Lob auf die Frankenaer Orgel vor: "Zwischen den vielen, vielen Orgeln der Welt war sie, ist sie und wird sie sein: Die Schönste von Frankena."

Serge Schoonbroodt, international renommierter Interpret der "Alten Musik" und Gründer sowie Leiter eines großen Musikfestivals in Arequipa in Peru, stellte im weiteren Programm die "Flaute Traverse 8 Fuss" vor, für die eine Fuga von Johann Gottfried Walthers bestimmt war. Der historische Orgelklang wurde durch eine große Besonderheit bereichert. Der Künstler wünschte, den Orgelmotor ausgeschaltet zu lassen, und einen Bälgetreter für die notwendige Luft zum Erklingen der Pfeifen zu nehmen. Damit konnte der Klang wie im Erbauungsjahr 1812, als es noch keine Motoren gab, erzeugt und gehört werden.

Das leise Säuseln dieses technischen Gerätes wurde durch das schwache Stampfen des Calcanten abgelöst. Im Konzert tat dieses der mit der entsprechenden Körperstatur ausgestattete Orgelsachverständige Albrecht Bönisch. "Das wir ein Konzert mit handgeschöpfter Luft erleben durften, war beeindruckend", resümierte ein Besucher aus Lübbenau, der schon viele andere Konzerte der Mixtur‑Reihe besuchte.

Das blieb jedoch nicht die einzige Überraschung des Abends: Serge Schoonbroodt, der drei Jahre als Bassist im Kathedralchor von Notre‑Dame in Paris tätig war, sang zu einer Orgelimprovisation. Das Tuscheln da und hier im Raum, was das Konzerterlebnis ein kleinwenig störte, war durch die mit den Orgelklängen sich verschmelzende menschliche Stimme völlig erloschen. "Davon hätten wir gern noch mehr gehört", sagte Karin Thrun aus Berlin am Ausgang.

Vor dem Ende gab es aber noch einen großen Gartenblumenstrauß ‑ dem Künstler überreicht von Christa‑Maria Alpermann ‑ und eine lang beklatschte Zugabe des Meisters: "Mein junges Leben hat ein End" vom Niederländer Jan Pieterszoon Sweelinck.

Während die Orgelspezialisten wie Kirchenmusikdirektor Prof. Oskar Gottlieb Blarr aus Düsseldorf sich im Anschluss an das Konzert über den hervorragenden Erhaltungs- und Restaurationszustand des historischen Instrumentes informierten, fanden viele Besucher vor der Kirche in Gruppen zu Gesprächen zusammen: Ein in jeder Beziehung gelungenes und zutiefst historisches Konzerterlebnis. Eben "Mixtur im Bass".

 

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- Lausitzer Rundschau vom 09. August 2007 -

 

Geheimnisse des Raumklangs

 

Serge Schoonbroodt und Knut Becker nehmen in Frankena ein Musikalbum auf

 

FRANKENA. Dass der belgische Künstler Serge Schoonbroodt für sein Orgelkonzert am Sonntag nach Frankena anreiste, kam dem Berliner Klangprofi und Labelinhaber Knut Becker gerade recht. Die beiden Musiker wollen die Woche nach dem Konzert nutzen, um in der Frankenaer Kirche ein Musikalbum aufzunehmen.

"Ich möchte den Orgelklang so natürlich wie möglich einfangen", erklärt Knut Becker sein Vorhaben. Dafür hat der Tontechniker in seinem weißen VW‑Transporter ein kompaktes und effizientes Tonstudio eingerichtet, dass er gerade vor dem Kirchengebäude parkt. Für die CD‑Aufnahmen musste lediglich ein Kabel in das Kircheninnere gelegt werden. Der Grund: Um den Klang der Orgelpfeifen so authentisch wie möglich zu erfassen, benötigt der Berliner ein einziges Mikrophon. "Als ich zum ersten Mal eine Orgelaufnahme gesehen habe, bei der mit mehreren Mikrophonen verschiedene Tonspuren aufgenommen und später mit dem Mischpult zu einem vollkommen neuen Instrumentenklang zusammengefügt wurden, hatte ich dafür kein Verständnis", so Becker. Die Orgel sei schon auf das perfekte Zusammenspiel der Pfeifen konstruiert worden. Genau diesen Klang gelte es zu erfassen.

Damit dieses Vorhaben gelingt, komme es vor allem auf die Position des Mikrophons im Raum an. Im Kircheninneren in Frankena ragt das kleine Gerät auf einem langen Stativ fast bis zur Empore. "Der Raum hier ist sehr trocken", sagt Serge Schoonbroodt. Das Gebäude erzeuge nur einen sehr kurzen Hall, worauf man sich sowohl bei den Aufnahmen als auch beim Spiel einstellen müsse, so der Künstler. Es sei viel schwerer, in Frankena als in einem anderen Kirchengebäude zu spielen.

Bereits eine Verschiebung des Mikrophons um 50 Zentimeter reiche, um einen vollkommen anderen Klang zu erzeugen, sagt Knut Becker aus Erfahrung über die Aufnahmen. Mehr als 50 Orgeln hat er in der Region schon für die Editionsreihe "Orgellandschaft Niederlausitz" aufgenommen. Die Herausforderung sei, die Besonderheit des Raumes und die Besonderheit des Instrumentes durch die richtige Positionierung des Mikrofons zusammenzubringen. Es sind meine Ohren, die bestimmen, ob das Ergebnis stimmig ist", sagt Becker. Er sähe sich als musikalischer Partner des Organisten. Beide müssten sich aufeinander einstimmen und jeweils verstehen, was der andere hört. Da Serge Schoonbroodt und Knut Becker zuvor noch nie miteinander gearbeitet hätten, sei zunächst die Herausforderung gewesen, sich innerhalb kürzester Zeit verstehen zu lernen. "Wir hatten am Anfang schon so unsere Spannungen", verrät Becker. Beide seien in ihren Anforderungen eben sehr spezifisch.

Der Hörer wird später davon jedoch nichts merken, Die vom Klangmeister entwickelte "schlichte" Aufnahmemethode, hat einen sehr klaren Klang zum Ergebnis, bei dem jede einzelne Pfeife hörbar wird und sich dem Hörer ein Raumgefühl bietet.

Die CD wird voraussichtlich zum Jahresende im Label Harp herauskommen. (ig)

 

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